Städtebau und Architektur

Als Architekt macht sich Sebastian Großkopf Gedanken über die städtebaulichen Auswirkungen des geplanten Einkaufszentrums:

„Der Standort des Shopping-Centers ist im Zusammenhang mit der Belebung der Innenstadt als problematisch zu bewerten. Durch die Lage jenseits der historisch gewachsenen Altstadt fehlt die Einbettung in das innerstädtische Gefüge. Das Grundstück liegt fernab der Fußgängerzone Innenstadt und wird vom derzeitigen Besucherfluss nicht tangiert. Zudem wirkt die Gartenstraße als Barriere. Die geplante Überdachung, die Begrünung der Übergänge oder ebenfalls diskutierte Brückenlösungen ändern daran nichts. Sie sind visuelle Signale und damit Magneten für das Shopping-Center aber nicht für die Innenstadt. Als zukünftiger Anziehungspunkt würden sich neue Fußgängerströme ergeben. Zonen innerhalb dieser Ströme, die zur Zeit eher Randlagen sind, beleben sich (z. Bsp. Lutherstraße). Zonen außerhalb werden weiter veröden (z. Bsp. Jüdenstraße). Mit dem zu erwartenden Leerstand wird ein Verfall der Bausubstanz einhergehen. Die noch intakte Stadtstruktur wird in Folge zerstört. Dieser Vorgang ist nicht korrigierbar!!!

Die vorgesehene Großform mit ihrer Ost-West-Erschließung und größtenteils nach innen gerichteten Läden ohne maßstäblichen Bezug und Orientierung zur Umgebung stellt einen Fremdkörper dar. Ohne jegliche Außenraumverknüpfung ist das Konzept rein auf Autofahrer ausgelegt, Fußgänger im öffentlichen Raum erfahren ein abweisendes Gebäude. Der angekündigte Fassadenwettbewerb kann daran nichts ändern! Wichtige direkte Wegebeziehungen aus dem nördlichen Wohngebiet zur Innenstadt (Lenau- Pfortenstraße), die öffentlichen Charakter haben und gestärkt werden müßten, finden im Entwurf keine Berücksichtigung. Die in den Planungen vorhandenen Nebeneingänge, die zudem außerhalb der Öffnungszeiten verschlossen sind, erfüllen diese Funktion nicht! Nutzungen wie Kino gehören nicht in die oberen Geschosse, sondern sollten zur Belebung des Straßenraumes beitragen. Die Aufzählung ließe sich fortführen. Zusammenfassend läßt sich dieses Vorhaben als kommerzielles und standardisiertes Typenprojekt bezeichnen, das außer den Eingängen keinerlei Bezüge geschweige denn Qualitäten in Bezug auf die Residenzstadt Gotha aufweist und somit nicht zur nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen kann.

Vor allem die aufgeführten Argumente zur Eignung des Standortes und die Befürchtung, daß es den Verantwortlichen nicht gelingt, eine städtebaulich und architektonisch ausgereifte und damit integrierte Planung zu entwickeln und umzusetzen, lassen nur die Ablehnung eines Shopping-Centers in der Gartenstraße zu.“

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