Gedenken an Synagoge – verbaut?

Der „Einkaufstempel“ zwischen Garten- und Moßlerstraße soll dort errichtet werden, wo bis 1938 die Gothaer Synagoge stand:

„Die neue Synagoge wurde in den Jahren 1903 und 1904 (damals Hohenlohestraße 1 heute Moßlerstraße) nach Plänen des Gothaer Architekten Richard Klepzig im neugotischen Stil als Zentralbau mit einer türmchenbekrönten Kuppel errichtet und am 11. Mai 1904 eingeweiht. Bei der Einweihung waren der Oberbürgermeister Otto Liebetrau, mehrere Ratsmitglieder, Vertreter der Nachbargemeinden sowie der evangelischen und katholischen Kirche und der Staatsminister Philipp Hermann Otto von Hentig zugegen, der im Namen der Herzoglichen Regierung eine kurze Ansprache hielt. Der Oberbürgermeister versprach in der kurzen Zeremonie bei der Schlüsselübergabe, sich stets für die Interessen der Gemeinde einzusetzen.“

„In den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 wurde das Gebäude während der Novemberpogrome vollständig durch Brandstiftung zerstört, die Feuerwehr durfte lediglich ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbargebäude verhindern. Die Ruinen wurden ab dem 10. März 1939 auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgetragen. 1988 wurde in der Nähe des ehemaligen Synagogengeländes eine Gedenkstätte eingerichtet, wobei eine Plastik des Gothaer Künstlers Hans Klein aufgestellt wurde. Die Plastik hat die Form von zwei abgewinkelten Stahlprofilen und soll KZ-Zaunpfähle bzw. zerbrochene Fenster eines Gotteshauses symbolisieren. Der Abschnitt der Lenaustraße zwischen Moßlerstraße und Gartenstraße, an dem die Synagoge stand, wurde von der Stadt Gotha 1991 in An der Synagoge umbenannt.“ (Quelle: WIKIPEDIA)

Mit dem Bau des Shoppingcenters wird sowohl die Gedenkstele als auch der Weg „An der Synagoge“ in Verlängerung der Lenaustraße zwischen Moßlerstraße und Gartenstraße verschwinden. Uns liegen Informationen vor, daß der Jüdischen Landesgemeinde angeboten wurde, im Shoppingcenter Flächen als Ersatz für die Gedenkstätte anzumieten. Diese lehnte das ab. Über den Ort für eine Gedenktafel besteht noch Uneinigkeit zwischen dem Investor und derJüdischen Landesgemeinde Thüringen.

Mit der Zerstörung ihres Gotteshauses endete auch das jüdische Leben in Gotha. Von den 494 Juden (1933) lebten 1939 noch 80 in Gotha.

Von den in Gotha (dazu Friedrichroda) geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: Eitel Max Adler (1903), Frieda Andacht (1903), Anna Baum geb. Baumann (1898), Max Baumann (1891), Selma Bergwerk (1905), David Blau (1883), Ernst Blau (), Max Blau (), Helene Blumenfeld (1896), Anna Brock geb. Grünbaum (1889), Rosalie Dominski geb. Wolff (1886), Fanny Ellendmann (1913), Hermann Ellendmann (1914), Ruth Ellendmann (1925), Charlotte Feibelmann geb. Gümpel (1880), Robert Feibelmann (1874), Erich Feige (1903), Günther Feige (1901), Lina Fibach (1906), Rita Fichtmann geb. Gottfeld (geb. 1909 in Friedrichsroda), Ludwig Freudenthal (1885), Jenny Szeindil Friedmann (1914), Pinkas Friedmann (), Regina Ryfka Friedmann (1875), Margarethe Friedrich geb. Bechhöfer (1898), Taube Geller (), Elias Gideon (), Aron Ginsberg (1902), Alfred Gottfeld (geb. in Friedrichsroda), Werner Wolf Gottfeld (geb. 1905 in Friedrichsroda), Marie Luise Gottschalk geb. Kunreuther (1895), Selma Grünebaum geb. Grünstein (1884), Julius Gründstein (1877), Irma Gurdaze (1869), Jenny Gutstein (1909), Bruno Ludwig Hartmann (geb. 1902 in Waltershausen), Lotte Heftler geb. Suss (1908), Kurt Heilbrunn (1938), Carl Herrmann (1878), Carola Hirschberg geb. Popper (1887), Ida Katzenstein (1872), Thekla Kehr geb. David (1868), Anna Marie Kunreuther geb. Michaelis (1871), Toni (Sidonie) Kuznitzky geb. Worms (1874), Paula Lang geb. Strupp (1862), Ada Ledermann geb. Freudenthal (1890), Gertrud Ledermann (1887), Anna Lewin (1882), Else Lewin geb. Bach (1890), Heinrich Lewin (1876), Hugo Lewin (1875), Clara Liebermann geb. Treidler (), Hermann Herscz Liebermann (), Abraham Loew (), Sophie Loew (), Eugen Lorch (1885), Helene Lutzky (1893), Siegbert Lutzky (1897), Gertrude (Trude) Mayer geb. Blumenfeld (1906), Wilhelmine Muskat geb. Pollak (1897), Margarete Namm geb. Saberski (1887), Louis Neuhaus (1880), Martha Neuhaus geb. Wachtel (1890), Thekla Neuhaus geb. Neumann (1879), Gertrud Popper (1888), Jenny Prinz (1896), Marx Prinz (1899), Sophie Prinz (1926), Lina Rosenthal geb. Michlewitsch (1895), Louis Ruppel (1876), Walter Ruppel (1896), Siegbert Saberski (1886), Gertrud Salomon geb. Stern (1875), Max Schächter (), Sofie Schächter geb. Liebermann (), Elly Schattmann geb. Singer (1871), Erna Theresa Schenker geb. Sachs (1881), Bernhard Schleyen (), Bertha Schleyen (), Oswald Schleyen (),  Martha Schmelzer geb. Blumenfeld (1895), Erna Selig geb. Meyerstein (1890), Anna Serok geb. Rudkowksy (), Arnold Serok (1925), David Serok (1891), Moses Leisa Max Serok (1922), Rudolf Silbermann (191), Alice Singer (1878), Erich Singer (1875), Walli Singer (1886), Gretchen Stein (1895), Lina Stein geb. Weinstock (1864), Anna Sophie Süß (1906), Moses Tauber (), Bernhard Trauring (), Minna Trauring geb. Westreich (), Alex Siegfried Wachtel (1881), Judith Weissenberg (1931), Ruth Weissenberg geb. Stern (1904), Regina Weksler geb. Liebermann (1905), Emmy Will geb. Cohn (1884), Moses Wirth (1890), Bella Wochenmark geb. Freudenthal (1887).(Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945)


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